Europas Weltraumwirtschaft, die Space Economy, boomt, angetrieben von neuen Technologien, öffentlichen Investitionen und einer wachsenden Nachfrage nach Satellitendiensten. Italien, Deutschland und Frankreich gehören zu den aktivsten Ländern mit Hunderten von Unternehmen und einem milliardenschweren Markt. Anwendungen in Landwirtschaft, Energie, Sicherheit und Kommunikationstechnologien nehmen zu.
Es gibt einen roten Faden, der SpaceX-Raketen, den Wettlauf um den Weltraumtourismus und die Miniaturisierung von Satelliten verbindet: die Weltraumwirtschaft. Diese neue Grenze vereint Künstliche Intelligenz, Datenmanagement, Informatik und fortschrittliche Werkstoffe und eröffnet damit auch kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang ins All.
Satelliten, einst der Tech-Elite vorbehalten, sind heute für eine wachsende Zahl von Unternehmen zugänglich. Daten und Telekommunikation sind strategische Assets und werden zunehmend „vom Himmel aus“ gesteuert: Neben Unterseekabeln gibt es drahtlose Kommunikationskanäle und Satellitenplattformen, die Informationen übertragen und hochauflösende Bilder – bis auf den Zentimeter genau – erzeugen, die zur Gebietsanalyse und, wenn sie mit anderen Techniken integriert werden, auch zum Erhalt von Informationen über die Bodenqualität verwendet werden.
In den letzten Jahren obliegt die Weltraumwirtschaft nicht mehr exklusiv den Regierungsbehörden und multinationalen Konzernen: Sie ist zu einer Triebkraft der Industrie geworden, die Dienstleistungen, Daten und terrestrische Anwendungen erzeugt. Ihr globaler Wert wurde im Jahr 2023 auf etwa 630 Milliarden US-Dollar geschätzt, mit Prognosen von bis zu 1,8 Billionen US-Dollar bis 2035. Wachstum hat auch eine geopolitische Dimension: Der dramatische Konflikt in der Ukraine (seit 2022) hat den Fokus auf die Sicherheit und die Kontrolle des Weltraums verstärkt.
In Europa wird die Entwicklung durch relevante öffentliche Programme unterstützt: Das EU-Weltraumprogramm 2021–2027 stellt rund 14,8 Milliarden Euro für Infrastrukturen wie Galileo und Copernicus sowie für sichere Kommunikationsdienste zur Verfügung. Die GAP (gemeinsame Agrarpolitik, die ein Viertel des EU-Haushalts ausmacht) verwendet ab 2024 ebenfalls Sentinel-Satellitenbilder des Copernicus-Programms zur Überprüfung von Förderanträgen mittels Flächenüberwachungssystemen (Area Monitoring System).
Auch Italien baut seine Präsenz aus. Angetrieben von regionaler Wirtschaftspolitik und der Umstrukturierung des Automobilsektors richten viele Unternehmen ihre Kompetenzen und Produktionen neu aus: von Apulien über Kampanien und die Lombardei bis zum Piemont. Laut jüngsten Berichten sind in der italienischen Lieferkette für die Raumfahrt über 400 Unternehmen mit etwa 13.500 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von mehreren Milliarden tätig. Die Exporte des Sektors wurden im Jahr 2023 auf etwa 7,5 Milliarden Euro geschätzt.
Das Wachstum betrifft jedoch nicht nur Italien. In Frankreich zählt der Raumfahrtsektor rund 1.700 Unternehmen und mehr als 33.000 Mitarbeiter (INSEE, 2020), mit einem Umsatz von über 10 Milliarden und einer führenden Position dank CNES und großen Industriezulieferern. Im Jahr 2024 verbuchte Deutschland im Luft- und Raumfahrtsektor einen Umsatz von 52 Milliarden Euro, ein Anstieg von +13 % gegenüber dem Vorjahr. Davon stammen 49 Milliarden aus der zivilen und militärischen Luftfahrt, während 3 Milliarden auf die Weltraumwirtschaft mit 9.000 qualifizierten Mitarbeitern zurückzuführen sind. Die Schweiz ist ein Nischenakteur mit hohem Mehrwert: Die Regierung unterstützt die Raumfahrtaktivitäten mit öffentlichen Investitionen und einem Ökosystem hochspezialisierter Unternehmen und Forschungszentren.
Die öffentliche Finanzierung bleibt zentral: Regierungen und Behörden haben Gelder für Forschung, Mikrosatelliten, Trägerraketen und nachgelagerte Dienstleistungen bereitgestellt, um die Entstehung von Start-ups und die Stärkung von KMU zu fördern. Zu den dynamischsten Bereichen gehört die Erdbeobachtung, die auf Landwirtschaft, Infrastruktur, Raumordnung, Energiemanagement und Versicherungen angewandt wird. Hier müssen die Daten ausgewertet werden: Expertise in KI und algorithmischer Analyse wird mit dem Branchen-Know-how integriert.
Darüber hinaus entstehen beispiellose intersektorale Verbindungen: Das Motor Valley bündelt Kompetenzen über fortschrittliche Werkstoffe; Mode und Lebensmittelbranche erkunden Lösungen für technische Kleidung und Astronautennahrung; Universitäten und Forschungszentren experimentieren im Orbit mit Materialien und Anwendungen, die für die irdische Industrie nützlich sind.
In ganz Europa entstehen Allianzen zwischen großen Unternehmen, Universitäten und KMU, die Produktionsanlagen neu bewerten und für die Zukunft wappnen. Die Herausforderungen bleiben bestehen: Privatkapital und Risikokapital anziehen, das Wachstum von Start-ups fördern und spezialisierte Ausbildung verbessern. Die eigentliche Chance besteht darin, die Lieferkette zu stärken und die Nachfrage nach Weltraumdaten in einen konkreten wirtschaftlichen Wert umzuwandeln, wodurch der öffentliche Impuls für Investoren attraktiv und international wettbewerbsfähig wird.