In der Welt der Intralogistik findet ein Perspektivwechsel statt – und zwar im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Tatsächlich blicken wir zunehmend nach oben, wo eine neue Generation autonomer Drohnen konkrete und strategische Anwendungen im täglichen Betrieb findet. Von der Bestandserfassung über Sicherheitskontrollen bis hin zur Inspektion schwer zugänglicher Bereiche werden diese Geräte zu wichtigen Werkzeugen, um Effizienz, Genauigkeit und Sicherheit zu steigern. Denn zusammen mit den Drohnen kommt eine riesige Menge stets ausgefeilterer Technologien und Lösungen unterstützend dazu.
WIE SIE SICH ORIENTIEREN
Anders als bei herkömmlichen Drohnen, die für den Einsatz im Freien entwickelt wurden, werden Drohnen, die in Lagerhallen eingesetzt werden, für komplexe Indoor-Bereiche konzipiert. In diesen fehlt das GPS-Signal und der Manövrierraum ist begrenzt. Zur Orientierung setzen sie auf hochmoderne Technologien wie SLAM (Simultaneous Localization and Mapping), LiDAR-Sensoren, 3D-Vision und Systeme der künstlichen Intelligenz, die Barcodes, QR-Codes oder RFID-Tags lesen können. So sind sie in der Lage, stets ihren Standort zu bestimmen und dabei Regale zu scannen, um wichtige Informationen für die Lagerverwaltung zu erfassen.
VOM LAGERBESTAND ZUR SICHERHEIT
Der Einsatz von Drohnen in der Intralogistik konzentriert sich vor allem auf drei Bereiche: Bestandskontrolle, Strukturinspektion und Sicherheit. Im ersten Fall ermöglichen sie Bestandszählungen ohne Unterbrechung der Betriebstätigkeit. Dadurch wird der Zeitaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Methoden drastisch reduziert und gleichzeitig die Genauigkeit der gesammelten Daten erhöht. Bei der Inspektion stellen sie dagegen eine schnelle und sichere Alternative zur Überwachung von Hochregalen, elektrischen Systemen oder anderen schwer erreichbaren Strukturelementen dar. Gleichzeitig sie bieten den Vorteil, dass kein Personal auf Hebebühnen oder Leitern steigen muss, eine Funktion, die sie auch im Freien bei der Überwachung z. B. großer Infrastrukturen sehr gut erfüllen. Was die Sicherheit betrifft, so setzen einige Lager Drohnen ein, um kritische Bereiche zu überwachen, unbefugten Zutritt zu erkennen oder den Zustand von Anlagen und Umgebungen nachts oder am Wochenende zu überprüfen.
ANWENDUNGEN
An konkreten Anwendungsmöglichkeiten mangelt es nicht. So wurden beispielsweise Systeme entwickelt, um die Inventur in Regallagern mit einer Höhe von bis zu zehn Metern zu automatisieren. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Eine Zeitersparnis von 90 % und eine höhere Genauigkeit dank der Eliminierung manueller Fehler wurden erzielt. Auch internationale Akteure im Großvertrieb haben den Einsatz von Drohnen für die tägliche Inventur getestet und sind von Einsätzen, die früher Wochen dauerten, zu Drohnenflügen von wenigen Stunden übergegangen.
Die fortschrittlichsten Drohnenmodelle lassen sich in Lagerverwaltungssysteme (WMS) integrieren und aktualisieren in Echtzeit die Verfügbarkeit und den Lagerplatz von Waren. Einige Modelle arbeiten sogar nachts oder an Ruhetagen völlig autonom, ohne die Tagesaktivitäten zu beeinträchtigen. Manche Geräte können nicht nur Daten erfassen, sondern auch interpretieren. Sie erkennen Anomalien wie leere Regale, schlecht platzierte Waren oder falsche Codes und werden so zu Präventions- und Qualitätskontrollinstrumenten. Auch in diesem Fall sind die Interoperabilität und die Möglichkeit, dass die Maschinen miteinander kommunizieren und Informationen austauschen und den jeweiligen Eingriff „freigeben“, von grundlegender Bedeutung.
GRENZEN
Natürlich gibt es noch Grenzen. Trotz der stetigen Weiterentwicklung haben Batterien eine begrenzte Autonomie von in der Regel dreißig bis vierzig Minuten, obwohl es bereits automatische Ladestationen gibt. Auch die Anfangsinvestition für Hardware, Software und Infrastruktur stellt vor allem für kleinere Unternehmen eine Einstiegshürde dar. Schließlich muss noch ein regulatorisches Problem erwähnt werden. Da die Regeln für den Einsatz von Drohnen in geschlossenen Bereichen noch nicht vollständig einheitlich sind, kommt es zu Unsicherheiten, die eine große Bremse für den Sektor und die großflächige Verbreitung darstellen.
AUSSICHTEN
Trotz allem sind die Aussichten vielversprechend. Insbesondere in Hochregallagern mit hoher Lagerdichte, in denen manuelle Arbeitsgänge besonders komplex und riskant sind, wird eine Verbreitung von Drohnen erwartet. Die Weiterentwicklung der On-Board-Technologien, die Verlängerung der Batterielebensdauer, die Entwicklung flexiblerer Geschäftsmodelle (wie Vermietung oder Pay-per-Use) und ein eindeutigerer Rechtsrahmen werden dazu beitragen, diese Lösung immer attraktiver zu machen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass autonome Drohnen zu einem integralen Bestandteil der digitalen Transformation der Lagerlogistik werden. Sie ermöglichen eine neue Sicht – im wörtlichen und übertragenen Sinn – auf die Logistikabläufe und machen diese schneller, sicherer und effizienter. In einem Sektor, in dem Flexibilität und Resilienz wesentliche Anforderungen sind, bieten diese Tools einen greifbaren und entscheidenden Wettbewerbsvorteil.